Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Francesco
Sauro

Höhlenforscher
im Amazonasbecken

Francesco Sauro Francesco Sauro

Tief im Innern der geheimnisumwitterten Tafelberge Südamerikas wird Francesco Sauro ein Labyrinth unterirdischer Höhlen erforschen. Niemand hat es je betreten. Bis heute.

„In dieser versunkenen Welt herrscht Schweigen. Vollkommenes Schweigen. Deine Schritte sind der erste Laut, der hier seit vielleicht Millionen Jahren zu hören ist. Eine Realität, die jede Fantasie in den Schatten stellt.“ Francesco Sauros Worte verraten etwas von der Ekstase, in die der italienische Geologe, Höhlenforscher und Autor geraten ist. Er ist nicht der Einzige in seiner Familie, der sich von der gefährlichen, aber auch grandiosen unterirdischen Welt angezogen fühlt; er leitete bereits mehrere speläologische Expeditionen an die dunkelsten Orte unseres Planeten.

Im Labyrinth

Nach dem Helikopterflug zum „Haus der Götter“, wie die majestätischen Tafelberge Südamerikas genannt werden, wird sich Francesco Sauro mit seinem Team in die Tiefe abseilen – in eine Welt, in der seit Millionen Jahren Schweigen und Dunkelheit herrschen.

Ziel der Expedition ist die Erforschung einiger Höhlensysteme in den fast unzugänglichen Tafelbergen, die steil aus dem Regenwald des Amazonasbeckens ragen.

Venezuela

Brasilien

Basierend auf einer Karte der UNO

Versunkene Welten kartografieren

Geografie der Tepuis

Francesco Sauros Expeditionen

  • Versunkene Welten
    kartografieren

    Geografie der Tepuis

    Zwar sind die wichtigsten Tepuis in Brasilien und Venezuela von Speläologen schon teilweise erforscht, doch das gilt nicht für die Mehrheit der Höhlen im Amazonasbecken. Francesco Sauro konzentriert sich mit seinem Rolex Projekt auf vier Massive: Neblina, Aracá, Duida und Marahuaka. Er nahm bereits an vier Expeditionen zum Auyán-Tepui teil, wo er das Imawarí Yeutá entdeckte, das zu den größten Quarzithöhlensystemen der Welt gehört. Dorthin will er in den nächsten drei Jahren zurückkehren, um seine wissenschaftlichen Untersuchungen fortzusetzen.

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  • Auyán-Tepui

    Venezuela

  • Duida-Tepui

    Venezuela

  • Marahuaka-Tepui

    Venezuela

  • Aracá-Tepui

    Brasilien

  • Cerro Neblina

    Venezuela und Brasilien

Die wichtigsten Fakten

    1. Ort

      Venezuela, Gran Sabana

    2. Koordinaten

      05° 54' 01" N 62° 32' 29" W

    3. Höhe

      2.450 m

    4. Anzahl speläologischer Expeditionen

      9

    5. Gipfelfläche

      670 km²

    6. Anzahl erforschter Höhlensysteme

      Mehr als 25

    7. Steilhangfläche

      795 km²

    8. Gesamtlänge erforschter Höhlen

      Rund 35 km

    9. Wichtigstes Höhlensystem

      Imawarí Yeutá, mehr als 20 km lang, gilt als längste Quarzit-Sandstein-Höhle der Welt, entdeckt 2013 von den Expeditionen La Venta und Theraphosa.

    1. Ort

      Venezuela, Amazonasbecken

    2. Koordinaten

      03° 30' 48" N 65° 37' 34" W

    3. Höhe

      2.358 m

    4. Anzahl speläologischer Expeditionen

      0

    5. Gipfelfläche

      1.089 km²

    6. Anzahl erforschter Höhlensysteme

      0

    7. Steilhangfläche

      715 km²

    8. Gesamtlänge erforschter Höhlen

      0

    1. Ort

      Venezuela, Amazonasbecken

    2. Koordinaten

      03° 39' 36" N 65° 24' 24" W

    3. Höhe

      2.832 m

    4. Anzahl speläologischer Expeditionen

      0

    5. Gipfelfläche

      121 km²

    6. Anzahl erforschter Höhlensysteme

      0

    7. Steilhangfläche

      325 km²

    8. Gesamtlänge erforschter Höhlen

      0

    1. Ort

      Brasilien, Amazonasbecken

    2. Koordinaten

      00° 53' 45" N 63° 23' 30" W

    3. Höhe

      1.780 m

    4. Anzahl speläologischer Expeditionen

      2

    5. Gipfelfläche

      250 km²

    6. Anzahl erforschter Höhlensysteme

      1

    7. Steilhangfläche

      300 km²

    8. Gesamtlänge erforschter Höhlen

      1 km

    9. Wichtigstes Höhlensystem

      Abismo Guy Collet, gilt mit 671 m als tiefste bekannte Quarzithöhle der Welt; erforscht vom brasilianisch-italienischen Team Akakor.

    1. Ort

      Venezuela und Brasilien, Amazonasbecken

    2. Koordinaten

      00° 53' 11" N 65° 59' 22" W

    3. Höhe

      2.994 m

    4. Anzahl speläologischer Expeditionen

      0

    5. Gipfelfläche

      473 km²

    6. Anzahl erforschter Höhlensysteme

      0

    7. Steilhangfläche

      1.515 km²

    8. Gesamtlänge erforschter Höhlen

      0

  • Auyán-Tepui
  • Duida-Tepui
  • Marahuaka-Tepui
  • Aracá-Tepui
  • Cerro Neblina

Den Kurzfilm ansehen

Francesco Sauro, Rolex Nachwuchspreisträger 2014, beschreibt seinen Plan, in den Quarzithöhlen der Tepuis in Brasilien und Venezuela nach Hinweisen zur Entstehung der Erde zu suchen.

Im Haus der Götter

Wenn Francesco Sauro und sein Team in die absolute Dunkelheit der Höhlen eindringen, die wie Waben unter den mächtigen Tepuis (Tafelbergen) im Dschungel Südamerikas liegen, dann werden sie aller Voraussicht nach Dinge entdecken, von denen der Mensch bisher nichts wusste.

Der italienische Speläologe wird vier Expeditionen leiten, die die am weitesten abgelegenen Tafelberge erforschen: Duida und Marahuaka im südlichen Venezuela, Pico da Neblina und Serra do Aracá in Brasilien. Mit Unterstützung der Höhlenforschervereine La Venta (Italien) und Theraphosa (Venezuela) sowie mit dem Rolex Preisgeld will Sauro die Höhlen untersuchen und kartografieren, ihre Tierwelt erforschen und Mineralien entdecken, die in Prozessen entstanden, die fast so alt sind wie die Erde.

„Da es keine Verbindungen zwischen den Höhlensystemen gibt“, erklärt Sauro, „wissen wir, dass wir in jedem System eine neue Art entdecken werden, zum Beispiel eine Grille, eine Spinne oder einen blinden Fisch.“ Das Team will die „Gendrift“ – die Evolution einer Art weg vom gemeinsamen Genpool – kartografieren und mit diesem Material eine Höhlenchronologie aufstellen. Vielleicht sind in manchen Höhlen Nachkommen von Lebewesen zu finden, die noch Zeitgenossen der Dinosaurier waren.

Ebenso faszinierend ist die Entdeckung von Mineralien, den Produkten einzigartiger biogeologischer Prozesse, in deren Verlauf sich die Höhlen in den Tepuis bildeten. In den bereits erforschten Höhlen wurde schon ein neues Mineral, das Rossiantonit, gefunden.

Für die Ureinwohner sind die Tepuis heilig und Furcht einflößend. Auf ihren steilen Abhängen und ihren nebelverhangenen Hochplateaus wohnen die Götter. Manche Götter sind wohlwollend, viele andere aber bösartig: Sie schicken Fluten und Gewitter. Sauro wird insbesondere den Ureinwohnern, aber auch den anderen Bürgern und den Regierungen von Venezuela und Brasilien von seinen Entdeckungen berichten und damit seinem Respekt Ausdruck geben. „Die traditionellen Eigentümer und Hüter des Wissens über die Tafelberge sind die Pemón und die Yanomami. Daher müssen sie auch weiterhin die Kontrolle über die Berge ausüben und in den Genuss all ihrer Früchte kommen“, sagt er.

Der ehemalige Rolex Preisträger Antonio De Vivo, der Mitglied von Sauros Expeditionsteams ist, bezeichnet die Höhlen als Archiv der Zeit. Video abspielen.

Vor 1,7 Milliarden Jahren

Die Tepuis stammen aus grauer Vorzeit. Sie bestehen aus 1,7 Milliarden Jahre altem quarzitischen Sandstein und wurden in den vergangenen Hunderten von Jahrmillionen durch Flusserosion voneinander getVorrennt. Heute stehen sie wie Inseln in der Landschaft; auf ihren Hochplateaus hat sich eine Flora und Fauna entwickelt, die jener der Galapagosinseln in nichts nachsteht.

Schweigen und Dunkelheit

„Absolute Dunkelheit ist etwas Eigenartiges: Die Welt beschränkt sich auf den schmalen Lichtstrahl vor einem, alles andere bleibt geheimnisvoll“, sagt Sauro. „Dunkelheit ist etwas Faszinierendes.“

WISSENSCHAFT UND ERFORSCHUNG

Die Höhlen in den Tepuis entstanden ganz allmählich über extrem lange Zeiträume. Wie das geschah, weiß man noch immer nicht. Anders als Kalkgestein, das von Wasser ausgehöhlt wird, das das Kalziumkarbonat auflöst, ist Quarz eines der härtesten und am wenigsten löslichen Minerale der Welt. Hier kommt es zu einer Arenitisierung, das heißt zur schrittweisen Auflösung der Korngrenzen und damit des Gesteins zu Sand. In diesem Prozess spielen insbesondere chemische, mikrobielle und hydrolytische Faktoren eine Rolle.

UNTERSUCHUNG UND ANALYSE

Francesco Sauro untersucht eine Gesteinsprobe in seinem Labor an der Universität Bologna (Italien), um neue Teilchen des Evolutionspuzzles zu finden.

Francesco Sauro

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

„Bei der Erforschung geht es mir nicht nur um neue Erkenntnisse. Sie ist wie eine Reise, die mich von imaginären Orten träumen lässt – die dann zu ganz realen Orten werden, die alles übertreffen, was ich mir je hätte träumen lassen. Es ist eine schwierige Reise, aber sie bringt mich immer wieder zum Staunen“, sagt Sauro, der regelmäßig in den italienischen Dolomiten trainiert.

Francesco Sauro

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Sauro dringt mit seinem Team in ein unübersehbares Gewirr von Gängen, Spalten und riesigen Hallen, von abgrundtiefen Schächten und unterirdischen Flüssen vor, das bis zu tausend Meter unter der Oberfläche liegt.

Francesco Sauro

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Flatlandia in der Imawarí-Yeutá-Höhle des Auyán-Tepui ist eine der zahlreichen Höhlen, die Sauro erforschte. In den vergangenen zehn Jahren leitete er 23 Expeditionen in Europa und Lateinamerika.

Francesco Sauro

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Die Tepuis ragen 1.000 bis 3.000 Meter aus dem Urwald des Amazonasbeckens. In ihren Quarzithöhlen gibt es unterirdische Labyrinthe von Gängen und Hallen, die Hunderte von Kilometern lang sind.

Jeder kann etwas verändern

Rolex stellt außergewöhnlichen Menschen Unterstützung für Projekte zur Verfügung,
die die großen Fragen unserer Zeit aufgreifen.

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