Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Hosam
Zowawi

Kampf gegen Superkeime

Hosam Zowawi Hosam Zowawi

Antibiotikaresistenzen bedrohen Menschen in aller Welt. Hosam Zowawi bekämpft sie mit den Mitteln der Wissenschaft und mit einer Aufklärungskampagne in den Golfstaaten.

Hosam Zowawi ist mit einem Serienkiller konfrontiert: In seinem Labor in Brisbane (Australien) untersucht er einen der gefährlichsten heute bekannten Mikroorganismen, eine Variante des klassischen Krankenhauserregers, gegen den man heute praktisch nichts mehr tun kann. Der junge saudische Wissenschaftler steht beim Kampf gegen multiresistente Bakterien, eine der größten Bedrohungen der menschlichen Gesundheit im 21. Jahrhundert, an vorderster Front.

Ebenso wie in anderen Ländern weltweit verbreiten sich auch in den Mitgliedstaaten des Golfkooperationsrates – Saudi-Arabien, Vereinigte Arabische Emirate, Kuwait, Katar, Oman und Bahrain – multiresistente Keime. Das liegt daran, dass Antibiotika viel zu häufig verschrieben werden und oft rezeptfrei erhältlich sind und dass die Handhygienevorschriften in Krankenhäusern nicht immer eingehalten werden, und es liegt schließlich auch am boomenden Tourismus und am geringen Risikobewusstsein der Bevölkerung.

Zowawi will den weltweit schnellsten und am breitesten angelegten Antibiotikaresistenztest entwickeln und vermarkten und er will zudem die Öffentlichkeit und das Gesundheitspersonal über die Risiken der Resistenz und über Präventionsmöglichkeiten aufklären.

„Eine postantibiotische Gesellschaft, in der verbreitete Infektionen und leichte Verletzungen tödlich sein können, ist keineswegs eine apokalyptische Fantasie, sondern im 21. Jahrhundert eine durchaus reale Möglichkeit.“

Weltgesundheitsorganisation (WHO), April 2014

Entdeckung der Antibiotika und Antibiotikaresistenz

Ein Wettlauf mit der Zeit

Art des Antibiotikums

  • 1928Penicillin

    1928 entdeckte der britische Bakteriologe Alexander Fleming eines der ersten Antibiotika – ein Glücksfall, der die medizinische Praxis für immer verändern sollte. In seinem Labor hatte er in einer Petrischale Staphylococcus aureus gezogen, eine Bakterie, die viele Infekte von geringfügigen Hautreizungen bis hin zu tödlichen Blutbahninfektionen und Lungenentzündung verursacht. Fleming fand heraus, dass ein Schimmel der Gattung Penicillium diese Bakterie abtötet, und so kam es zur Entdeckung des Penicillins. Dessen industrielle Herstellung begann zwar erst in den 1940er-Jahren, doch es wurde weltweit sehr bald gegen zahlreiche bakterielle Infektionen verschrieben.

  • 1948Cephalosporine

    Die ebenfalls aus Schimmelpilzen gewonnenen Cephalosporine bilden die zweite größere Gruppe von Antibiotika und wurden zwischen 1945 und 1948 entdeckt. Mehrere Arten oder „Generationen“ von Cephalosporinen mit unterschiedlicher bakterizider Wirksamkeit wurden entwickelt und werden heute bei der Behandlung schwerer Infektionen wie Hirnhautentzündung und Blutvergiftung eingesetzt.

  • 1975Carbapeneme

    Mit der Entwicklung der Carbapeneme wurde begonnen, als sich erste Penicillinresistenzen zeigten. Carbapeneme gelten als Reserveantibiotika und als hochwirksam bei der Bekämpfung komplizierter, lebensgefährlicher Infektionen, die in der Regel in Krankenhäusern und Pflegeheimen durch Klimaanlagen oder intravenöse Katheter übertragen werden. Carbapenemresistenz ist weltweit ein gravierendes Gesundheitsproblem.

  • 1980Chinolone

    Die Chinolone sind synthetische Stoffe mit breitem antibakteriellen Wirkspektrum. Sie gehören heute zu den Antibiotika, die für Menschen wie für Tiere zu therapeutischen und nicht therapeutischen Zwecken am häufigsten verwendet werden. Der Missbrauch dieser Gruppe von Antibiotika hat zur schnellen und weiträumigen Ausbreitung der Resistenzen geführt.

  • Sehr wenige neue Antibiotika in fortgeschrittenem Entwicklungsstadium

    Der Hauptgrund ist wirtschaftlicher Natur: Antibiotika werden in der Regel nur wenige Tage und nicht ein ganzes Leben lang eingenommen wie lukrativere Medikamente gegen chronische Krankheiten, zum Beispiel Bluthochdruck. Ein Hindernis können auch das jeweilige Arzneimittelrecht und die einschlägigen Vorschriften sein. Manchmal dauert es Jahre, bis ein neues Antibiotikum auf den Markt kommt, und die Resistenz dagegen tritt innerhalb eines sehr viel kürzeren Zeitraums auf. Das wirkt abschreckend auf die wettbewerbsintensive pharmazeutische Industrie. Noch abschreckender ist jedoch die Gefahr, dass leichte Infektionen und Verletzungen sowie gängige ärztliche Behandlungen und chirurgische Eingriffe wieder ebenso tödlich sein können wie vor der Erfindung des Penicillins.

In den vergangenen 30 Jahren wurden keine wesentlich neuen Antibiotika entwickelt

  • 1928
  • 1948
  • 1975
  • 1980
  • Keine neuen Entdeckungen

Quelle:Weltgesundheitsorganisation (WHO)

Ein weltweites Problem

„Therapieversagen“

wird bei verbreiteten Krankheiten heute in vielen Ländern festgestellt

Gonorrhö kann wahrscheinlich nicht mehr behandelt werden – das gilt für mindestens

36 Länder

Antibiotikaresistenzen

haben laut der Weltgesundheitsorganisation (WHO) weltweit alarmierende Ausmasse angenommen

48.000

Menschen sterben jedes Jahr in Europa und Nordamerika an arz­nei­mit­tel­re­sis­tenten Infektionen

Foto: CDC

Ein weltweites Problem

Keine neuen Antibiotika

wurden seit den 1980er-Jahren zugelassen

500.000

Fälle arz­nei­mit­tel­re­sis­tenter Tuberkulose werden weltweit jedes Jahr registriert

Die Staaten am Persischen Golf sind ebenso wie andere Länder mit der wachsenden Gefahr resistenter Superkeime konfrontiert. Die Gründe: Missbrauch von Antibiotika, zunehmender Reiseverkehr und

mangelnde Aufklärung

Antibiotikaresistenz „gefährdet die Errungenschaften der modernen Medizin“

WHO

Aufklärungskampagnen zur Antibiotikaresistenz

gibt es in der Golfregion kaum

Foto: CDC

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Der Rolex Nachwuchspreisträger 2014 Hosam Zowawi beschreibt sein Projekt zur Bekämpfung von Antibiotikaresistenz und zur Rettung eines der Grundpfeiler der modernen Medizin.

Ein akutes Problem

Jeden Tag müssen Ärzte und Ärztinnen in der ganzen Welt entscheiden, mit welchem Antibiotikum sie versuchen wollen, das Leben eines Patienten zu retten – meist ohne mit Sicherheit zu wissen, welche dieser Arzneien wirkt.

Hosam Zowawi will diesem tödlichen Roulette ein Ende machen: Er entwickelte zwei neue Verfahren für die Bestimmung der Antibiotikaresistenz von Erregern. Sein „Schneller Multiresistenztest“ untersucht, ob der Mikroorganismus Resistenzgene aufweist und welche es sind. Dies hilft dem Arzt, die passende Therapie zu wählen – und damit auch die Lebensdauer der Reserveantibiotika zu verlängern.

Dieser schnelle und präzise Test deckt mehr tödliche Infektionsarten ab als alle anderen auf dem Weltmarkt erhältlichen Verfahren. Innerhalb von drei bis vier Stunden – und nicht erst nach Tagen – liegen die Ergebnisse vor. Sobald der Test in Australien zugelassen ist, wird Zowawi Feldversuche in den Golfstaaten durchführen. Wenn diese Versuche erfolgreich sind, könnte der Test kommerziellen Labors übergeben werden, die ihn für Krankenhäuser, Kliniken und Ärzte in aller Welt prüfen. Zowawis zweiter Test identifiziert die Antibiotika, die von resistenten Mikroorganismen zerstört oder beschädigt werden, sowie auch die verantwortlichen Keime.

Die beiden Tests werden Ärzte, Krankenhausleiter und Verantwortliche des Gesundheitswesens in die Lage versetzen, die Verbreitung von Infektionen genau zu verfolgen und zu entscheiden, welche Maßnahmen Priorität haben.

Die dritte Komponente von Zowawis Projekt ist die Einbeziehung der Öffentlichkeit und des gesamten Gesundheitspersonals in den Krieg gegen die Antibiotikaresistenz. In Anbetracht der Tatsache, dass der Missbrauch von Antibiotika durch Unwissen und Informationsmangel sowohl bei den Verbrauchern als auch dem Gesundheitspersonal verursacht ist, will Zowawi in den Golfstaaten eine groß angelegte Aufklärungskampagne organisieren.

Er wird die sozialen Medien – die als Treiber des gesellschaftlichen Fortschritts in der Region fungieren – sowie Fernsehen, Rundfunk und Presse nutzen, um die Verbraucher auf die lebensgefährlichen Folgen des Missbrauchs von Antibiotika aufmerksam zu machen.

Mein Traum ist es, Leben zu retten

„Es geht nicht nur um das Leben von Menschen in den Krankenhäusern am Golf und anderswo in der Welt, sondern auch um das Leben derer, die in ferner Zukunft auf Antibiotika angewiesen sein werden. Es ist dringend notwendig, etwas zu unternehmen, und ich bin zutiefst überzeugt von meiner Mitverantwortung“, sagt Zowawi. „Und ich bin mir auch sicher, dass es uns gemeinsam gelingen wird, den Verlust eines der größten Lebensretter der Medizin zu verhindern.“

Ein tödlicher Mikroorganismus

In einem Labor in Brisbane (Australien) untersucht Hosam Zowawi eine Variante des klassischen Krankenhauserregers, gegen den man heute praktisch nichts mehr tun kann.

Hosam Zowawi

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

In seiner Nobelpreisrede von 1945 warnte der Entdecker des Penicillins, Sir Alexander Fleming, Mikroben könnten resistent gegen die Arznei werden (Fleming erhielt den Nobelpreis gemeinsam mit Ernst Chain und Sir Howard Florey).

Hosam Zowawi

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Superkeime sind gegenüber allen Antibiotika resistent und können die Menschheit wieder in die Zeit versetzen, in der man an leichten Infektionen starb. Hosam Zowawi bekämpft diese Keime mit den Mitteln der Wissenschaft.

Hosam Zowawi

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Hosam Zowawi untersucht die Einfärbung, durch die sichtbar wird, ob antibiotikaresistente Bakterien vorhanden sind und welche. In allen Ländern ist eine Zunahme dieser Bakterien zu beobachten.

Hosam Zowawi

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Mit gründlichem Händewaschen schützt man sich am besten vor Krankheit, erklärt Hosam Zowawi im Rahmen seiner Aufklärungskampagne über Antibiotikaresistenz.

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Verfolgen Sie, wie Hosam Zowawi im Kampf gegen Antibiotikaresistenz bahnbrechende Schnelltests einführt und eine Aufklärungskampagne organisiert. Zusammen mit Menschen in aller Welt können Sie Zowawi helfen, den Missbrauch von Antibiotika einzudämmen.