Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014

Neeti
Kailas

Neugeborenenscreening
auf Gehörlosigkeit

Neeti Kailas Neeti Kailas

Unbehandelte Gehörlosigkeit bei Säuglingen führt zu schwerer Beeinträchtigung der Sprachentwicklung des Kindes und hat eine Kettenreaktion von Lernversagen zur Folge. Neeti Kailas ist entschlossen, in armen Gegenden Indiens gehörlosen Kleinkindern mithilfe eines Screeningtests eine andere Zukunft zu eröffnen.

Während ihre Kommilitonen am renommierten indischen National Institute of Design in Ahmedabad modische Zitronenpressen und andere Haushaltsgeräte entwarfen, beschäftigte sich die 17-jährige Neeti Kailas mit Entwürfen für Bettpfannen für Indiens überfüllte staatliche Krankenhäuser. Später arbeitete sie für verschiedene Firmen in fünf Ländern und entwarf unter anderem ein Mobiltelefon und einen elektrohybriden Roller. Doch sie wollte „mehr Einfluss auf die Gesellschaft ausüben“.

Eine Möglichkeit bot sich, als sie mit ihrem Partner Nitin Sisodia das Sohum Innovation Lab für die Entwicklung neuer medizinischer Geräte gründete und beschloss, ein preisgünstiges tragbares Gerät für Neugeborenenscreening auf Gehörlosigkeit zu entwickeln.

„Indien hat schon enorme Fortschritte gemacht. Doch kaum jemand ist sich im Klaren darüber, dass rechtzeitiges Screening einem Kind Chancengleichheit und ein normales Leben ermöglichen kann.“

Neeti Kailas

Wie das Gerät funktioniert

Screening auf Gehörlosigkeit

  • Beim normalen Hörvorgang gelangen Schallwellen durch den Gehörgang und lassen das Trommelfell vibrieren. Dies setzt winzige Zellen – die Haarzellen – in der Hörschnecke in Bewegung, die diese mechanischen Impulse in elektrische Impulse umsetzen und an den Hirnstamm und das Hörzentrum im Gehirn weiterleiten.

  • Einer der Vorteile des von Kailas entwickelten Geräts im Vergleich zu anderen Testmethoden ist der eingebaute Algorithmus, der Umgebungsgeräusche herausfiltert. „Das ist besonders wichtig, denn jeder, der einmal in einem indischen Krankenhaus war, weiß, dass es dort sehr voll und sehr laut ist“, sagt sie.

Das Gerät

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Die wichtigsten Komponenten

  • 01 Kopfbügel

    Das Gerät misst die durch Schallwellen bewirkte Veränderung der Hirnstromkurven. Am Kopf des Säuglings wird ein verstellbarer Bügel mit drei Elektroden angebracht, die die durch Stimulierung des Hörzentrums im Großhirn des Säuglings ausgelösten Spannungsschwankungen signalisieren. Reagiert das Hirn nicht, ist das Kind gehörlos. Da das Gerät nicht invasiv ist, ist während des Screenings keine Anästhesie erforderlich.

  • 02 APP

    Zwei verschiedene Methoden werden eingesetzt, um die Aktivität des Hörzentrums zu überwachen, die mittels einer App abgebildet wird. „Wir haben einen neuen Weg gefunden, die Signale aus dem Hirn zu lesen und auszuwerten, um festzustellen, ob das Kind hört“, sagt Kailas. „Unser Gerät ist empfindlich und präzise.“

  • 03 Die Technik

    Über die Cloud schickt das Gerät die Informationen an Sohum, wo sie von Kailas und ihrem Team aufgearbeitet und gespeichert werden. Die Auswertung dieser Daten lässt zum Beispiel vermuten, dass Gelbsucht bei Nervenschäden eine Rolle spielt, doch Kailas zufolge „gibt es keine statistisch signifikanten Zahlen, um das zu belegen, da in den Entwicklungsländern auf diesem Gebiet noch nicht genügend geforscht wurde. Wir versuchen das zu ändern“. Das Gerät wird mit Batterien betrieben und kann überall eingesetzt werden.

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Neeti Kailas, Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014, beschreibt ihr Vorhaben, einen preisgünstigen mobilen Hörtest zu entwickeln, um die Zukunftsaussichten hörgeschädigter Kinder zu verbessern.

Ein Gespür für Benachteiligung

Neeti Kailas weiß sehr gut, was es bedeutet, wenn Gehörlosigkeit nicht rechtzeitig diagnostiziert wird. Eine Freundin aus Kindertagen war von Geburt an gehörlos; ihr Spracherwerb und infolgedessen auch ihre Schulbildung waren beeinträchtigt und daher hatte sie kaum Chancen. „Ihr Leben ist völlig anders verlaufen als das ihrer Freunde“, sagt Kailas.

Wird ein Kleinkind in den ersten Jahren seines Lebens nicht durch Geräusche stimuliert – von der Stimme der Mutter bis hin zum Verkehrslärm –, dann besteht die Möglichkeit, dass sich die Gehirnareale für Sprache und Kommunikation niemals entwickeln. Im Allgemeinen kommt ein Kind erst im Alter von vier oder fünf Jahren in ärztliche Behandlung, wenn feststeht, dass es nicht sprechen kann. Es folgen langwierige Untersuchungen und schließlich kommt das Kind in eine Gehörlosenschule. „Im Alter von 18 Jahren sind seine Lese- und Verständniskompetenzen nur halb so gut entwickelt wie die durchschnittlicher Jugendlicher“, sagt Kailas.

Deshalb ist es ihrer Ansicht nach dringend notwendig, das Gehör in den ersten sechs Lebensmonaten zu untersuchen und erforderlichenfalls eine geeignete Behandlung, die Ausstattung mit einem Hörgerät und eine Rehabilitation einzuleiten, um den Spracherwerb in Gang zu setzen. In den Industriestaaten gehören Neugeborenenhörscreenings zu den Regelleistungen der Krankenversicherungen. In den USA geborene Kinder zum Beispiel werden häufig mit mehrere Tausend US-Dollar teuren Geräten getestet, die die extrem leisen Töne analysieren, mit denen ein gesundes Ohr auf eine akustische Stimulation reagiert.

Hochempfindliche Mikrofone stellen die otoakustischen Emissionen fest, die bei einem Gehörschaden nicht ausgesendet werden; das Ausbleiben dieser Emissionen ist ein erstes Anzeichen des Problems. Für die ländlichen Gebiete Indiens eignen sich diese Geräte jedoch nicht, da sie zu teuer und wegen der Hintergrundgeräusche in Lagern und Krankenstationen nicht einsetzbar sind. Zudem werden in Indien etwas mehr als die Hälfte aller Kinder zu Hause geboren und kommen nicht in Kontakt mit medizinischen Einrichtungen.

Kailas und ihr Team im Sohum Innovation Lab entwickeln eine preisgünstigere, einfacher zu bedienende und leichtere Version eines existierenden Screeningverfahrens, das Gehörschäden feststellen kann, die durch Probleme im Hörnerv oder in tiefer gelegenen Gehirnarealen verursacht wurden. Ihr Gerät hat den Vorteil, dass es in armen Gebieten und in geräuschvollen Umgebungen eingesetzt werden kann und keine Anästhesie des Kindes erfordert. Das Gerät ist bislang noch ein Prototyp; das Rolex Preisgeld wird die Hardware und die Elektroden finanzieren, die für die klinischen Tests ab Ende dieses Jahres gebraucht werden. Wenn alles gut geht, ist das Gerät Ende 2016 einsatzbereit. Ansprechpartner sind zunächst Krankenhäuser, Kinderärzte, Frauenkliniken und Pflegepersonal. Im ersten Jahr wird eine Screeningquote von rund zwei Prozent aller Geburten angestrebt.

Kailas plädiert für Screening aller Neugeborenen

Kailas’ kostengünstiges Gerät eignet sich besonders für arme ländliche Gebiete, da es von Nichtfachleuten bedient werden kann, keine geräuscharme Umgebung braucht und nicht invasiv ist.

Indiens hohe Gehörlosenquote

Von den 26 Millionen Kindern, die jedes Jahr in Indien geboren werden, sind rund 100.000 hörgeschädigt; etwa vier Millionen Kinder und Jugendliche unter 15 Jahren sind schwerhörig und werden deshalb erhebliche Probleme haben. Der hohe Prozentsatz angeborener Gehörlosigkeit in Entwicklungsländern ist auf geringes Geburtsgewicht und Geburtstraumata sowie zahlreiche Erkrankungen wie Röteln zurückzuführen.

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Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014

Ein einfacher Bügel wird um den Kopf des Säuglings gelegt, um das Gehör zu testen. Kailas’ Gerät kann überall eingesetzt werden und ist besonders geeignet für die meist überfüllten und lauten ländlichen Krankenstationen, da es Hintergrundgeräusche herausfiltert.

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Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014

Der Entwurf des Hörtestgeräts begann mit der Skizze eines Babykopfes. „Gute Gestaltung beruht auf der Fähigkeit, die Bedürfnisse des Menschen zu verstehen“, sagt Kailas.

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Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014

Neeti Kailas und Nitin Sisodia gründeten das Sohum Innovation Lab, um neue medizinische Produkte zu entwickeln. Ihre Technik ist modifizierbar: Sie kann auch für das Screening anderer Signale des Gehirns – etwa im Zusammenhang mit dem Sehen – eingesetzt werden.

Neeti Kailas

Rolex Nachwuchspreisträgerin 2014

Mütter mit hörgeschädigten Kindern im Schulungszentrum des Dr. S. R. Chandrasekhar Institute of Speech and Hearing in Bangalore. Die Mütter helfen den Kindern beim Erlernen der Gebärdensprache. Früherkennung ist entscheidend, damit sich die Kinder normal entwickeln können.

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