Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Olivier
Nsengimana

Rettung einer seltenen Kranichart in Ruanda

Olivier Nsengimana Olivier Nsengimana

Die Rettung der einzigen Kranichart Ruandas – des Grauhals-Kronenkranichs – ist nur die erste Etappe von Olivier Nsengimanas Projekt, das junge Menschen motivieren soll, sich für die Erhaltung der außergewöhnlichen Wildtierpopulationen ihres Landes einzusetzen.

Der Tierschützer Olivier Nsengimana hatte als Kind die Tragödie des Genozids in Ruanda miterlebt und war fest entschlossen, zum Wiederaufbau seines Landes beizutragen. Am wohlsten fühlt er sich in den üppigen Bergwäldern im Norden Ruandas, wo er bei den weltberühmten Gorilla Doctors als Veterinär im Außendienst arbeitet. Zudem überwacht er Wildtierpopulationen, um das Auftreten potenziell gefährlicher Viren zu erkennen, bevor sie auf den Menschen übertragen werden.

Schutzder biologischen Vielfalt Ruandas

Nsengimana engagiert sich für den Schutz der Wildtiere Ruandas und insbesondere des Grauhals-Kronenkranichs – ein Symbol der Langlebigkeit, das vom Aussterben bedroht ist.

Weltweit ist die Anzahl dieser Kraniche in den letzten 45 Jahren dramatisch (um 50-80 Prozent) zurückgegangen, weshalb sie 2012 von der Internationalen Naturschutzunion (IUCN) als stark gefährdet eingestuft worden sind. In Ruanda leben nur noch 300 bis 500 von ihnen in freier Wildbahn.

Ruandasgefährdete Arten

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Das Problem

Gefährdungsgrad

  • Der Grauhals-Kronenkranich ist nicht das einzige Tier, das Hilfe braucht

  • BerggorillaGorilla beringei beringei

  • SchimpansePan troglodytes


  • KiwubuschsängerBradypterus graueri

  • Spitzmaulnashorn oder
    Schwarzes NashornDiceros bicornis


  • HillhufeisennaseRhinolophus hilli

  • Der Grauhals-Kronenkranich ist nur eine von mehreren Arten, die in Ruanda vom Aussterben bedroht sind. Während die Spitzmaulnashörner, einst die größte Nashorngruppe, aus der Region verschwanden, sind andere Arten, darunter die in den Wäldern Ruandas beheimateten Schimpansen und Fledertiere, laut der 2014 von der IUCN veröffentlichten Roten Liste gefährdeter Arten stark gefährdet oder vom Aussterben bedroht. Diese Liste gilt als vollständigste und objektivste weltweite Dokumentation des Gefährdungsgrads von Pflanzen- und Tierarten.

  • Der Berggorilla, der als stark gefährdet eingestuft ist, lebt auf den bewaldeten Abhängen der Virungavulkane in Zentralafrika. Hier ist nahezu die Hälfte dieser weltweit noch schätzungsweise 700 Tiere umfassenden Art heimisch. In freier Wildbahn werden Berggorillas bis zu 35 Jahre alt. Sie halten sich meist am Boden auf, können aber auch auf Bäume klettern. Sie ernähren sich von Wurzeln, Sprossen, Früchten, Wildsellerie, Blättern und Baumrinde, und sie leben in Gruppen von bis zu 30 Individuen, in der Regel unter Führung eines dominanten Männchens, das manchmal – wegen der silbrigen Haare auf dem Rücken erwachsener Männchen – als Silberrücken bezeichnet wird. Erwachsene Männchen erreichen in aufrechter Haltung eine Größe von 1,80 Metern bei bis zu 250 Kilogramm Körpergewicht. Berggorillas sind die einzigen Menschenaffen, deren Population wächst; dies ist in erster Linie auf den Schutz vor Tourismus und auf Forschung sowie auf tierärztliche Versorgung zurückzuführen.

  • Ein weiterer stark gefährdeter Primat, der Schimpanse, lebt in Wäldern und Savannen; in Ruanda findet man ihn im Nyungwe Forest National Park. Schimpansen sind soziale Tiere; sie leben in Gruppen von mehreren Dutzend Individuen und sind Allesfresser, ernähren sich aber vor allem von Früchten und Pflanzen. Sie halten sich mit Vorliebe auf Bäumen auf, verbringen aber auch Zeit am Boden. In freier Wildbahn werden sie bis zu 45 Jahre alt; Erwachsene erreichen eine Größe von höchstens 1,70 Metern und ein Gewicht von 60 Kilogramm.

  • Der kleine braune Kiwubuschsänger mit weißlicher Unterseite lebt in Sumpfgebieten in Höhenlagen zwischen 1.950 und 2.600 Metern. Die größte bekannte Population ist die der Rugesisümpfe in Ruanda. Bevor sie unter Naturschutz gestellt wurden, war ein Teil der Sümpfe für landwirtschaftliche Zwecke trockengelegt worden. Dadurch wurde das Habitat des Vogels reduziert und so kam er auf die Liste der gefährdeten Arten. Der Buschsänger ernährt sich von Samen und Insekten wie Käfern und Raupen. Er ist monogam und duldet keine Artgenossen in seinem Revier, kann aber außerhalb der Brutsaison sozialer sein. Der Kiwubuschsänger ist etwa 17 Zentimeter lang und wiegt zwischen 17 und 19 Gramm.

  • Einst sah man es fast überall in Afrika – heute gehört das Spitzmaulnashorn zu den vom Aussterben bedrohten Arten und ist in Ruanda bereits ausgestorben. Allerdings führten Malawi und Sambia, wo dieses Nashorn auch bereits ausgestorben war, erfolgreiche Repatriierungsprogramme durch, und daher besteht Hoffnung, es auch in Ruanda wieder heimisch zu machen. Spitzmaulnashörner sind Pflanzenfresser und ernähren sich vorzugsweise von Blättern. Sie werden im Schnitt 35 bis 50 Jahre alt, erreichen eine Schulterhöhe von 1,80 Metern und wiegen bis zu 1.400 Kilogramm. Nashörner sind Einzelgänger; sie kommen nur während der Paarungszeit zusammen. In dieser Zeit kommt es zu Rivalitäten und Kämpfen mit häufig tödlichem Ausgang. Es kommt hinzu, dass viele Tiere aufgrund der starken Nachfrage nach dem Horn von Wilderern getötet werden, die ein halbes Kilogramm Horn für 30.000 US-Dollar verkaufen können.

  • Die Hufeisennase ist ein kleines insektenfressendes, nachtaktives und fliegendes Säugetier, dessen Nase eine wulstige Verdickung in Form eines Hufeisens aufweist. Laut IUCN ist diese Fledermausgattung vom Aussterben bedroht und findet sich nur noch auf einem rund 100 Quadratkilometer großen Gebiet im Nyungwe Forest National Park in Ruanda. Man weiß wenig über dieses Tier und in den Höhlen des Nationalparks wurden noch keine Kolonien gefunden. Die Hufeisennase verliert immer größere Flächen ihres Habitats durch landwirtschaftliche Nutzung und Abholzung. Es bleibt zu hoffen, dass eine Informationskampagne für die örtliche Bevölkerung die Überlebenschancen dieser Fledermaus erhöht.

In freier Wildbahn lebende Arten

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Olivier Nsengimana, Rolex Nachwuchspreisträger 2014, beschreibt sein Vorhaben, Ruandas einzige Kranichart zu retten und junge Menschen zu motivieren, sich für den Schutz der außergewöhnlichen Tierwelt des Landes zu engagieren.

Rettung einer seltenen Kranichart

„Ich bin mit dem Ruf dieser Vögel aufgewachsen“, erzählt Olivier Nsengimana, als er über seine glückliche Kindheit im Westen von Kigali berichtet. „Sie waren immer da, doch sie lebten nicht in unseren Gärten.“ Heute sieht man die Grauhals-Kronenkraniche fast nur noch in privaten Gärten und Hotelparks. Die grazilen Tiere mit dem langen Hals, den dünnen Beinen und der skurrilen goldfarbenen Federkrone stolzieren um den Swimmingpool, als seien sie nichts als ein dekoratives Element. „Manche Leute schneiden ihnen die Federn ab, damit sie nicht mehr fliegen können, und manche brechen ihnen sogar die Flügel“, sagt Nsengimana. „Das ist absolut paradox. Diese Vögel gelten in Ruanda als Symbol für Reichtum und langes Leben, doch die meisten von ihnen sterben in Gefangenschaft und ohne Nachkommen.“

Sie werden als Haustiere gehalten, fotografiert, gestreichelt und gejagt. Sie werden nicht artgerecht ernährt und haben keine Möglichkeit zum Brüten. Sie sterben an Stress, Verletzungen und Mangelernährung. Und sie werden von Tierhändlern illegal exportiert oder für die Zwecke der traditionellen Medizin getötet.

Kraniche in freier Wildbahn haben andere Probleme. Ruanda ist ein kleines, dicht besiedeltes Land mit elf Millionen Einwohnern, von denen jeder zweite mit einem US-Dollar pro Tag auskommen muss. „Bei uns leben rund 400 Menschen auf jedem Quadratkilometer“, sagt Nsengimana. Aus diesem Grund wurden die meisten Sümpfe trockengelegt, um Boden für die Landwirtschaft und den Wohnungsbau zu gewinnen. Um den entsprechenden Verlust ihrer Habitate zu kompensieren, haben viele Kraniche gelernt, ihr Futter auf Agrarland zu suchen. Dort aber sind sie Schädlingsbekämpfungsmitteln und den von Bauern ausgelegten Giftködern ausgesetzt.

Damit der Grauhals-Kronenkranich in Ruanda nicht ausstirbt, engagiert sich Nsengimana mit enormer Energie für die Rückkehr gefangener Kraniche in die freie Wildbahn. Er will die Tiere in eine Einrichtung in der Nähe der Hauptstadt Kigali schicken, um sicherzugehen, dass sie gesund sind, bevor sie in ein Rehabilitationszentrum kommen. Dieses Zentrum wird im Akagera National Park im Norden Ruandas derzeit eingerichtet, und hier werden die Vögel im Rahmen der sogenannten „behutsamen Freilassung“ (soft release) durch teilweisen Futterentzug veranlasst, ihr Futter außerhalb des Zentrums zu suchen: Der Hunger bringt sie zurück in die Wildnis.

Nsengimana plant eine Erhebung und die Einrichtung einer zentralen Datenbank, die alle in Gefangenschaft lebenden Kraniche erfasst und Fortschritte registriert. Er gibt zu, dass es nicht einfach sein wird, die Halter zu überzeugen, ihre Kraniche abzugeben. Doch er hofft, dass seine landesweite Informationskampagne und eine Amnestie helfen werden. Ein Teil des Rolex Preisgeldes wird für die Finanzierung dieser Kampagne verwendet, die der Bevölkerung auch konkrete Möglichkeiten zeigen soll, wie man sein Auskommen finden kann, ohne gefährdeten Arten zu schaden. „Denn es reicht nicht, Gesetze zu verabschieden und Appelle zu verfassen“, sagt Nsengimana.

Tanzpartner fürs Leben

Grauhals-Kronenkraniche wählen ihre Partner offenbar für das ganze Leben – eine lange Zeit, wenn man bedenkt, dass sie in freier Wildbahn bis zu 22 Jahre alt werden. Sie gehen nie auf Wanderschaft, sondern suchen nur in der näheren Umgebung nach Futter und Nistplätzen. Meistens nisten sie in oder am Rand von Sümpfen. Sie legen bis zu drei Eier, die von beiden Eltern bebrütet werden. Der Kranich hat einen leuchtend roten Kehllappen, der sich aufbläht, wenn er seinen charakteristischen Balzlaut von sich gibt.

Ruandas Jugend motivieren

„Ich will nicht einfach mehr Naturschutzprojekte in Ruanda – ich will, dass die, die bereits existieren, durchhalten und effektiv arbeiten“, sagt Nsengimana. Um das zu erreichen, muss die Jugend motiviert werden, und deshalb will Nsengimana in die Schulen. „Meine Anregungen verdanke ich den Gorilla Doctors, die während meiner Ausbildung der Hochschule einen Besuch abstatteten. Ich möchte das Gleiche für andere tun. Ruanda braucht junge Naturschützer.“

Olivier Nsengimana

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Mit einer Höhe von einem Meter und einer Flügelspannweite von zwei Metern bieten die Grauhals-Kronenkraniche der ruandischen Sümpfe einen majestätischen Anblick. Zu Beginn der Brutzeit sieht man sie bei ihrem spektakulären Balztanz.

Olivier Nsengimana

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Nsengimana und sein Team bei der Beringung eines in Gefangenschaft lebenden Kranichs. Mit einem Teil des Rolex Preisgelds will er eine zentrale Datenbank einrichten, die alle gefangenen Kraniche erfasst und die für eine Auswilderung geeigneten Tiere identifiziert.

Olivier Nsengimana

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Wer die Nester in den Sümpfen erkennen will, braucht ein geübtes Auge. Grauhals-Kronenkraniche bauen runde Nestplattformen in hoher Vegetation, um nicht von Räubern entdeckt zu werden.

Olivier Nsengimana

Rolex Nachwuchspreisträger 2014

Grauhals-Kronenkraniche finden sich in mehreren Ländern südlich der Sahara, darunter die Demokratische Republik Kongo, Uganda und Kenia. „Die Anzahl dieser Kraniche in Ruanda ist um mindestens 80 Prozent zurückgegangen“, so Nsengimana.

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Verfolgen Sie, wie Olivier Nsengimana in Ruanda den Schutz des Grauhals-Kronenkranichs organisiert. Zusammen mit Menschen in aller Welt können Sie Nsengimana helfen, die Jugend seines Landes für den Naturschutz zu begeistern.